Montag, 9. Mai 2011

von 700 auf 4.000 m in 3 Stunden...

Ich bin nicht sicher, ob der Ausflug zum Cristo Redentor wirklich gesund war, aber es war im positiven Sinne ein unvergesslicher Tag! Das Ziel war der alte Grenzpass zwischen Argentinien und Chile, ca. 200 km entfernt von Mendoza in, wie ich zuvor dachte, ca. 3.200 m Hoehe ueber NN in den Anden gelegen. Das waere somit der hoechste Punkt auf dem ich bisher gewesen bin. Wie sich unterwegs herausstellte, liegt aber der Einstieg in den letzten sehr steilen Schlussabschnitt bereits auf 3.200 m. Danach kommen nochmal knapp 1.000 m Hoehe auf Schotterpiste dazu...
Der Pass liegt ganz in der Naehe von Suedamerikas hoechstem Gipfel, dem Aconcagua. Auf der Fahrt kann man immer wieder Blicke auf ihn erhaschen.

Nach einer relativ gemuetlichen Anfahrt nach Cueva de Incas, dem letzten Dorf vor dem Pass, bog unser Minibus in den Schotterweg ein, der sich in vielen Serpentinen nach oben windet. Flugzeuge, die in 9.000 m Hoehe ueber die Anden fliegen, kamen uns vor, als ob sie im Landeanflug seien. Langsam wurde mir etwas mulmig. Estella, unsere Reiseleiterin, erwaehnte, dass wir die Namensliste am Beginn der Reise nur deswegen ausfuellen mussten, damit man uns nach einem Sturz des Busses ins Tal besser wuerde identifizieren koennen... hahaha....
Nach dem Passieren einer verlassenen Huette am Wegesrand meinte sie, dass sie ihre Schwiegermutter so sehr mag, dass sie ihr dieses wunderschoene Wochenendhaus hier bauen lies.... der Humor der Mendocinos gefaellt mir!

Endlich kamen wir gluecklich oben an. Beim Aussteigen stellte sich sofort ein leichtes Benommenheitsgefuehl ein, das sich nach einem Becher Honigschnaps noch spuerbar verstaerkte :-) Der Schnaps soll beim Atmen helfen oder so... Trotz Schwindelgefuehlen registrierten wir noch das wahnsinnig beeindruckende Andenpanorama. Unter dem gegenueberliegenden Gipfel befand sich ein riesiger Gletscher, der die Form einer liegenden nackten Frau mit nur einem Bein hatte. Diesen Gletscher hatten wir 3 Stunden zuvor in der Ferne und in unerreichbarer Hoehe blinken sehen. Nun schauten wir auf ihn herab...

Alle Besucher kommen von der argentinischen Seite hoch. Wir erfuhren, dass die Strasse auf chilenischer Seite waehrend der Pinochet-Diktatur vermint worden war und die Chilenen seitdem nicht so viel Lust auf sie haben, obwohl sie wieder frei ist, und stattdessen lieber den ziemlich neuen Tunnel nehmen...

Die Benommenheit nahm weiterhin leicht zu und nach ca. 20. min wurden wir alle wieder eingefangen und torkelten zum Bus. Nun kam ja noch was Spannendes: die Abfahrt. Auf Nachfrage erhielten wir die Antwort, dass der Fahrer natuerlich auch den einen oder anderen Honigschnaps getrunken habe, er musste sich ja Mut antrinken... alle waren sehr entspannt und harrten fatalistisch der kommenden Dinge. Um es abzukuerzen: alles ging gut und 30 min. spaeter durften wir uns auf ein ueppiges Mittagessen stuerzen. Die Benommenheit sollte aber erst nach und nach abnehmen. So ab ca. 1.500 m fuehlten wir uns wieder halbwegs normal.

Bei mir kam es gerade rechtzeitig, um trotz truebem Blick am Strassenrand die Statue eines Condors vorbeisausen zu sehen. Instinktiv bruellte ich "El condor pasa!". Der Fahrer stieg in die Eisen und hielt am Strassenrand. Eine Staubwolke passierte uns. Er legte den Rueckwaertsgang ein und schlich die 100 m zueruck. Da! Auf einem grossen Stein sass der Condor, putzlebendig, und bewachte einen Hundekadaver, der schon laengere Zeit da liegen musste. Kleinere Raubvoegel rauften um die letzten Happen. Durch den Bus aufgeschreckt, hoppelte der Condor langsam weg. Ein riesiges Tier, etwas unbeholfen am Boden, aber was ganz anderes als die Verwandten, die man so im Zoo sieht. Ein tolles Privileg, so ein Tier mal so nah zu sehen! Alle waren verwundert, dass er sich so nah an die Strasse gesetzt hatte. Vielleicht herrscht Futtermangel, der sie ihre Angst vor den vielen lauten Fahrzeugen vergessen laesst.

Das war das i-Tuepfelchen auf einen wunderbaren Tag. Fotos werden nachgereicht...

1 Kommentar:

  1. Der Heiland als Erlöser in Form einer Frau mit nur einem Bein - nicht schlecht, der Humor der Mendocinos

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